Gustav-Heinemann-Schule Hagen

Startseite > Schulkonzept > Konzept der Berufspraxisstufe / Berufsorientierung

Konzept der Berufspraxisstufe / Berufsorientierung

  

Curriculum Berufspraxisstufe

 

 

Grundbereiche eines altersgemäßen Unterrichts in der Berufspraxisstufe der

G.- Heinemann- Schule

 

Arbeiten

Wohnen

Leben

 

Lernbereiche

 

Arbeit & Beruf

Wohntraining

z.B. Freizeit

 

Beispiel für die Umsetzung in der Berufspraxisstufe der G.- Heinemann- Schule:

 

 

z.B. Schülerfirma,

(siehe Punkt 3)

 

 Praktika

(siehe Punkt 4 Übergang Schule-Beruf)

 

Schülercafe

(siehe Punkt 5)

z.B. Trainings­wohnung

(siehe Punkt 2)

z.B. Selbständiges Fahren mit dem Linienbus

(siehe Punkt 6)

 

 

1. Allgemeine Informationen

 

1.1 Schülerschaft

In der Regel besuchen die Schülerinnen und Schüler der Gustav-Heinemann-Schule zwei Jahre die Berufspraxisstufe und werden dann im Alter von 18- 19 Jahren in die Berufswelt entlassen. (s. Punkt 4: Übergang Schule-Beruf) Auf Wunsch der Eltern kann die Schulzeit verlängert werden, wenn die jeweilige Schülerin/der jeweilige Schüler den Zielen des Bildungsganges entsprechend noch weiter gefördert werden kann. Dies ist maximal bis zu dem Schuljahr möglich, in dem die Schülerin bzw. der Schüler das 25. Lebensjahr vollendet. Hier ist das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern, Eltern bzw. Erziehungsberechtigten über Ziele und Entwicklungsmöglichkeiten wichtige Grundlage für die Planung der Schulverweildauer.

Die Berufspraxisstufe besteht derzeit aus drei Klassen mit 11-13 Schülerinnen und Schülern. Aus pädagogischen Gründen werden zeitweise auch jüngere Schülerinnen und Schüler in einer Berufspraxisstufenklasse gefördert.

Es ist vorgesehen, dass möglichst jede Klasse in einem Jahr der Berufspraxisstufenzeit in der Trainingswohnung unterrichtet wird. (s. Punkt 2: Trainingswohnung)

 

An einem Tag in der Woche (z. Zt. Freitag) arbeiten die Schülerinnen und Schüler der Berufspraxisstufe in der Schülerfirma „Die Heinemänner S-AG“. Hierzu werden alle Klassenverbände der Stufe aufgelöst und die Schülerinnen und Schüler können ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechend in einem der folgenden Arbeitsbereiche arbeiten:

 

-          Service / Reparatur

-          Backen

-          Garten

-          Fahrradwerkstatt

-          Büro / Verwaltung

-          Bügeln / Wäschepflege

(s. Punkt 3: Schülerfirma)

 

Seit Beginn des Schuljahres 2010/2011 wurde das Schülercafe´ in den Räumlichkeiten der angrenzenden Grundschule neu aufgebaut. Dort arbeiten an drei Tagen in der Woche Schülerinnen und Schüler der Berufspraxisstufe in unterschiedlichen Teilgruppen. (s. Punkt 5: Schülercafe´)

 

1.2 Räumliche Gegebenheiten

Neben der Trainingswohnung werden die Berufspraxisstufenklassen in zwei Klassenräumen unterrichtet, von denen einer im Gebäude der Grundschule liegt. Darüber hinaus nutzen sie für die einzelnen Lernbereiche folgende Fachräume:

-          Werkraum Holz

-          Werkraum Ton

-          Lehrküchen

-          Textil-/Kunstraum

-          Musikraum

-          Snoezelenraum (Förderung der schwerstbeh. Schülerinnen u. Schüler)

-          Sporthalle

-          Städt. Schwimmbad

 

Es ist geplant, alle Berufspraxisstufenklassen mit Ausnahme der Trainingswohnungsklasse zukünftig in der angrenzenden Grundschule unterzubringen und ein entsprechendes Konzept zur Berufsvorbereitung zu entwickeln (s. Punkt 4: Übergang Schule-Beruf). Das gemeinsame Arbeiten im Grundschulgebäude ermöglicht den Lehrerinnen und Lehrern eine bessere klassenübergreifende Zusammenarbeit und den Schülerinnen und Schülern mehr Kontakt zu Gleichaltrigen unsere Schule.

Außerdem ist das Schülercafe ebenfalls im Grundschulgebäude. Dies wird von Schülerinnen und Schülern der Berufspraxisstufe betrieben.

 

1.3 Pädagogische Zielsetzungen

In der Berufspraxisstufe geht es grundlegend darum, die Entwicklung vom Jugendlichen zum Erwachsenenleben anzubahnen und zu unterstützen. Dabei sollen Handlungsmöglichkeiten und Fähigkeiten gefördert werden, die zur Bewältigung der späteren Arbeitssituation, der individuellen Wohnform und Freizeitgestaltung beitragen.

 

Die individuellen Interessen der Schülerinnen und Schüler und die zukünftigen Lebenssituationen werden als Lernanlässe aufgegriffen und bilden die Schwerpunkte des Unterrichts, so dass dieser gezielt auf die Lebenswirklichkeit als Erwachsener ausgerichtet ist. Die jugendlichen Schülerinnen und Schüler werden somit auf das Leben als Erwachsener in seinen verschiedenen Aspekten (Arbeiten, Wohnen, Versorgen, Freizeit, Partnerschaft) vorbereitet.

 

Spezifische Lernziele sind:

-          Eigenverantwortlichkeit / Selbständigkeit in unterschiedlichen Bezügen

-          Selbstbestimmung / Mitbestimmung erlernen

-          Kommunikative Kompetenzen erweitern

-          Realistische Selbsteinschätzung: Erkennen eigener Stärken und Schwächen => Akzeptanz

-          Elementare berufliche Vorbereitung erfahren

-          Festigung des angemessenen Arbeitsverhaltens, z.B.: Förderung der Ausdauer (auch bei seriellen Aufgaben), Kontrolle des Arbeitsergebnisses, Umgang mit Kritik

-          Verschiedene Wohnformen kennen lernen und in die eigene Zukunftsplanung einbeziehen können

-          Freizeitangebote kennen lernen und nach eigenen Interessen nutzen können

-          Freundschaften und Kontakte auch außerhalb der Schule / Arbeit aufbauen und pflegen können

-          Partnerbeziehungen aufbauen und erleben können

-          Öffentlichkeit: Öffentliche Einrichtungen aufsuchen und nutzen können (Bürgeramt, Gesundheitsamt, Jobcenter, Bank, Sportvereine...)

-          Mobilitätstraining z.B. möglichst selbständiges Fahren mit dem Linienbus

 

1.4 Elternarbeit

Neben der allgemeinen Elternarbeit (Förderplangespräche etc.) bilden folgende Inhalte die Schwerpunkte in der Elternberatung von Schülerinnen und Schülern die in der Berufspraxisstufe unterrichtet werden:

-          Praktika (s. auch Punkt 4: Übergang Schule-Beruf)

-          Berufliche Möglichkeiten

-          Gesetzliche Betreuung/Grundsicherung

-          Wohnen

 

In der Regel findet alle zwei Jahre für interessierte Eltern der Schule ein Informationsabend zu den oben genannten Themen statt. Vertreter folgender Institutionen geben hier Auskünfte:

-          Örtliche Werkstätten für Menschen mit Behinderung

-          Integrationsfachdienst der Caritas

-          Pro Integration

-          Jobcenter

-          Wohnen : Caritas, Bethel vor Ort, Lebenshilfe

 

 

2. Trainingswohnung

 

Die Trainingswohnung wird ein Schuljahr lang von einer Klasse der Berufspraxisstufe während der regulären Unterrichtszeit genutzt.

Das Jahr in der Trainingswohnung dient der Vorbereitung auf die berufliche und private Lebensgestaltung ggf. auch außerhalb des Elternhauses durch Ausdehnung und Verbesserung des lebenspraktischen Trainings und der Selbstversorgung. Zum zusätzlichen Aufgabenbereich der SchülerInnen gehören das tägliche Zubereiten von Mahlzeiten, Vorratshaltung und Einkauf. Die SchülerInnen sind auch für die Reinigung der Wohnung verantwortlich.

Es werden verschiedene Möglichkeiten der Freizeitgestaltung angeboten und durchgeführt. Jede Klasse setzt sich für das Jahr in der Trainingswohnung eigene Schwerpunkte.

Zur Vorbereitung auf die Zeit nach der Schule führen die Schüler Praktika durch, nehmen an der Schülerfirma teil und besuchen unterschiedliche Wohneinrichtungen für Erwachsene mit einer geistigen Behinderung. Durch die gewonnenen Einblicke können sie gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten ihre Zukunft planen.

 

2.1 Bedeutung des Lernbereiches

Für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung stellt sich mit der Ablösung von der Familie die Frage, wo der künftige Lebens- und Wohnort sein wird. Die Möglichkeiten reichen vom Elternhaus über Heime bis hin zu mehr oder weniger betreuten, kleinen Wohneinheiten. Die Wohnform beeinflusst weit reichend die Möglichkeit der Selbstbestimmung und der aktiven Teilhabe an der Gesellschaft. Gemäß dem Auftrag, auf das Leben als Erwachsener vorzubereiten, muss ein zukunftsorientierter Unterricht Erfahrungen mit unterschiedlichen Wohnformen vermitteln und Entscheidungskompetenzen anbahnen. ( vgl. Lehrpläne: Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung München 2007)

 

2.2 Hinweise zum Unterricht

Im Lernbereich Wohnen setzen sich Schülerinnen und Schüler mit zukünftigen Wohnmöglichkeiten auseinander. Kompetenzen für weitgehend selbstständiges Wohnen müssen in möglichst realistischen Situationen vermittelt und geübt werden. Der Lernort hierzu ist die Trainingswohnung, in der Wohntraining in unmittelbarer Nähe zum normalen Alltag stattfindet.

 

Unsere Trainingswohnung verfügt über folgende Räume:

• Toilette

• Küche

• Wohnzimmer

• Esszimmer

• Mehrzweckraum

• einen Kellerraum mit Waschmaschine, Wäschetrockner und Tiefkühlschrank und

• einen weiteren Kellerraum mit Gardarobe, Regalen und Schränken

 

2.3 Wohntraining

Organisation

Während der Schulzeit erwerben Schülerinnen und Schüler vielfältige Kompetenzen zur Bewältigung von Alltagsaufgaben.

 

Dazu gehören etwa

• das Zusammenleben in einer Gruppe,

• die Einteilung und Gestaltung der Zeit sowie

• Umgang mit Geräten,

• Nahrungsmittelzubereitung und

• Reinigungs- und Pflegearbeiten.

 

Diese Fähigkeiten und Fertigkeiten werden in der Trainingswohnung realitätsnah geübt und in größtmöglicher Selbstständigkeit angewandt und weiterentwickelt.

 

Grundsatz der abnehmenden Hilfe

Das Wohntraining dauert bei uns ein Schuljahr. In diesem Jahr soll die Selbstständigkeit zunehmend in den Vordergrund gestellt und die Unterstützungsleistungen verringert werden. Es gilt der Grundsatz: Soviel Unterstützung wie nötig, so wenig Unterstützung wie möglich.

Für Schülerinnen und Schüler mit hohem Förderbedarf müssen individuelle Lösungen gefunden werden, die sich auf Umfang und Intensität der Betreuung beziehen können.

 

Zusammenarbeit mit Eltern, Erziehungsberechtigten und Betreuern

Die individuellen Ziele des Wohntrainings werden während der Förderplangespräche in enger Absprache mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und Erziehungsberechtigten festgelegt.

 

Leben in der Trainigswohnung

 

Inhalte

• Sich an den Aufenthaltsort Trainingswohnung gewöhnen und sich darin wohl fühlen

• Mit anderen Personen zusammenleben, Mitbewohner akzeptieren

• Bedürfnisse, Wünsche und Befindlichkeiten ausdrücken

• Sich von eingespielten Ritualen und Routinen aus dem Familienleben lösen und auf das Leben in der Wohntrainingsgruppe einlassen

• Persönlichen Bedarf zum Wohntraining mitbringen: Materialien zur Freizeitgestaltung wie Bücher, CDs, Spiele

• Das Leben in der Wohntrainingsgruppe gestalten: Wünsche äußern, Absprachen treffen, Freizeit gemeinsam gestalten, Rücksicht nehmen

• Konflikte aushalten und angemessen austragen

• Einen Aufgaben- oder Organisationsplan erstellen: Kochplan, Putzplan, Ordnungsplan

• Einen Speiseplan erstellen und Einkäufe dafür erledigen

• Frühstück und Mittagessen zubereiten

• Ordnungs-, Reinigungs- und Wascharbeiten erledigen

 

2.4 Kompetenzen für das Wohnen

Für das Wohnen bedeutsame Kompetenzen werden erlernt und in konkreten Situationen vertieft geübt und angewendet.

 

2.4.1 Gestaltung der Zeit

• Sich im geregelten Tagesablauf orientieren: Tagesplanung mit Gegenständen*, Symbolkarten, Wortkarten auf dem Ämterplan

*(z.B. Einkaufsbeutel als Repräsentant für die Situation „Einkaufen“ und als Signal „Jetzt gehen wir zum Einkaufen“)

• Tagesablauf strukturieren und planen: Arbeitszeit, Pausen

• Abweichungen vom geplanten Tagesablauf akzeptieren

• Pflichten kennen und erfüllen

• Gestaltungsmöglichkeiten der freien Zeit kennen lernen und erproben

• Sich an Zeitsignalen orientieren: Wanduhr, Wecker, Kurzzeitmesser, Schulgong

• Analoge und digitale Uhrzeit lesen: Fahrpläne, Fernsehzeitung, Veranstaltungsmagazin

• Zeitliche Vorgaben beachten: Öffnungszeiten, Abfahrtszeiten, Schulbeginn, Arbeitsbeginn, Pausenanfang, Pausenende

• Arbeiten im Rahmen des Wohntrainings rechtzeitig erledigen z.B. Frühstück vorbereiten,

 

2.4.2 Versorgung mit Nahrung

• Hunger und Durst äußern: mimisch, gestisch, verbal; mit Kommunikationshilfen

• Essen und Trinken auswählen: Essensplan

 

Arbeitsgestaltung

• Kennen und Beachten der Ordnungsstrukturen im Haushalt

• Organisation des Arbeitsplatzes

• Hygienevorschriften kennen/ umsetzen

 

Umgang mit Arbeitsgeräten

• Begriffe von Arbeitsgeräten kennen

• Umgang mit Schneidegeräten üben

• Umgang mit elektrischen Haushaltsgeräten ( Spülmaschine, Herd mit Cerankochfeld, Backofen, Kühl- und Gefrierschrank, Mikrowelle, Kaffeemaschine, Wasserkocher, Handrührgerät)

 

Vorbereitung von Mahlzeiten

• Nach Bild-, Bild-Wort- oder reinen Textrezepten arbeiten

• Vorbereitungs- und Nachbereitungsarbeiten erkennen und durchführen (z.B. Zutaten abwiegen, waschen, Backofen einschalten, Arbeitsplatz aufräumen)

• Grundfertigkeiten für das Verarbeiten von Lebensmitteln zielgerichtet und möglichst selbständig anwenden

• Kalte und Warme Speisen und Teilfertiggerichte zubereiten

• Tisch decken und abräumen

 

Sich versorgen lassen

• Pizza beim Pizzataxi bestellen

• „Tafel“- Einrichtungen aufsuchen

• Bei feierlichen Anlässen Restaurants zum Essen besuchen

 

2.4.3 Einkauf für den Haushalt

Einkaufsmöglichkeiten

• Geschäfte gezielt nutzen: Supermarkt, Bäckerei, Drogeriemarkt

• Einkaufsmöglichkeiten vergleichen: Preise, Qualität, Angebot, Erreichbarkeit

 

Einkaufen

• Einkaufszettel erstellen

• Sich im Geschäft orientieren

• Bezahlen

• Waren sicher einpacken und transportieren

Vorratshaltung

• Waren sachgerecht aufbewahren: Kühlschrank, Küchenschrank, Gefrierschrank, Putzschrank, Keller

• Vorräte ergänzen: Grundbestand in der Trainingswohnung, Materialregal im Keller

 

 

 

2.4.4 Reinigungs- und Pflegearbeiten

In vorhabenorientierten Angeboten werden einzelne Schritte von Reinigungs- und Pflegearbeiten erlernt und geübt.

 

Hauspflege

• Persönliche Dinge aufräumen

• Ordnungssysteme nützen: Geschirrschrank, Putzschrank, Be­steckkasten, Garderobe

• Bedarf von Reinigungs- und Ordnungsarbeiten erkennen und ausführen: Spülen mit der Hand, Möbelpflege, Fensterreinigung

• Arbeitsplan aufstellen: tägliche, wöchentliche, monatliche Arbeiten

• Einfache Reparaturen und Wartungsarbeiten ausführen: Glühbirne erneuern, Kaffeemaschine entkalken, Staubsaugerbeutel austauschen

 

Hausarbeitsgeräte

• Hilfsmittel für die Hauspflege sachgerecht bedienen: Staubsauger, Wischmop, Besen, Reinigungssysteme

 

Wäschepflege

• Bekleidung sorgfältig behandeln: aufhängen, lüften, ausbürsten

• Wäsche sortieren: Verschmutzung, Pflegeeigenschaft (Textilpflegesymbole), Beschädigung

• Wäsche waschen: Handwäsche, Maschinenwäsche, chemische Reinigung

• Wäsche trocknen: Wäscheleine, Wäschetrockner

• Wäsche bügeln

• Wäsche aufräumen

• Eigenes Ordnungssystem entwickeln

 

 

Geräte zur Wäsche- und Kleiderpflege

• Geräte zur Wäschepflege sachgerecht bedienen: Waschmaschine, Trockner, Bügeleisen,

 

Schuhpflege

• Schuhe sorgfältig behandeln: trocknen, lüften

• Schuhe reinigen und pflegen

 

2.4.5 Umweltschutz

• Müll vermeiden

• Wasser sparen

• Reinigungsmittel sparsam gebrauchen

• Energie sparen: kurz lüften, Kühlschrank schließen

 

2.4.6 Sicherheit im Haushalt

 

Unfallverhütung

• Defekte Gegenstände und Geräte nicht verwenden

• Sicherheitshinweise lesen

• Die Gebrauchsanleitung beachten

• Geeignete Hilfsmittel verwenden: Sicherheitsleiter, Dosierhilfe

• Gefährliche Substanzen sicher aufbewahren: Reinigungsmittel, Medikamente; Medikamentenschrank

 

Verhalten bei Unfällen

• Ruhe bewahren

• Erste Hilfe leisten (In kritischen Situationen müssen geübte Handlungsschritte in Ruhe ausgeführt werden. Sinnvoll ist ein Erste-Hilfe-Kurs)

• Hilfe holen bei Verletzungen und Krankheiten: Hausrufanlage, Telefon, Mobiltelefon

• Wichtige Angaben machen und Fragen beantworten: Name, Adresse, Telefon, Krankheitsanzeichen; W-Fragen

 

Vorsichtsmaßnahmen

• Wohnung verschließen: Fenster, Türen

• Schlüssel sicher aufbewahren

• Fremde nicht einlassen

 

2.4.7 Körperpflege

• Auf die eigenen Pflegebedürfnisse aufmerksam machen: verbal, mimisch, gestisch, mit Kommunikationshilfen

• Körperpflege nach Möglichkeit zunehmend selbst übernehmen: waschen, duschen, baden, Zähne putzen, Haare kämmen, rasieren, schminken, Intimhygiene

• Pflegeutensilien sachgerecht verwenden: Duschgel, Shampoo, Creme, Zahnpasta

• Körperpflege regelmäßig durchführen: nach Plan, nach Notwendigkeit

• Vorlieben entwickeln: Duft, Marke, Aussehen des Produkts

• Pflege genießen: selbstgewählter Zeitpunkt, bevorzugte Pflegemittel

 

2.4.8 Zusammenleben in der Gruppe

 

Kontakte

• Gegenwart und Abwesenheit Anderer wahrnehmen

• Begrüßen und verabschieden

• Gemeinsame Zeiten einhalten: Essenszeiten, Gruppengespräch

• Rückzug oder Gemeinschaft nach eigenem Bedürfnis aufsuchen

• Selbstbestimmt Kontakte wählen

• Kontakte aufrecht erhalten durch gemeinsame Aktivitäten: Spiele, Kinobesuch im Nachmittagsbereich

• Zeit und Ort für das Wiedersehen vereinbaren: beim Abschied, am Telefon, per SMS, per Mail

 

Konflikte

• Konflikte wahrnehmen und altersadäquat reagieren: ausgleichen, schlichten, vermitteln

• Regeln der Konfliktvermeidung einsetzen: Provokation und Aggression unterlassen, ausreden lassen, zuhören

• Konfliktbewältigungsstrategien anwenden: Kompromisse, Mehrheitsentscheidungen

• Uneinigkeiten besprechen: Meinung angemessen äußern, Argumente benennen, Entschuldigung aussprechen, Fehler eingestehen

 

2.5 Perspektiven entwickeln

 

• Wohnformen kennen lernen und unterscheiden: Wohnen in der Familie, Wohnpflegeheim, Wohnheim, Außenwohngruppe, betreutes Wohnen, Einzelwohnung

• Neue Wohnformen selbst erleben: Wohntraining, Probewohnen

• Vor- und Nachteile von Wohnformen bewerten: Privatsphäre, Kosten, Unterstützungsbedarf, Lage

• Zukunftsperspektiven zum Wohnen entwickeln: Zukunftskonferenz

 

3. Schülerfirma

 

Im Schuljahr 2005/2006 wurde an der Gustav-Heinemann-Schule (GHS) eine Schülerfirma „die Heinemänner-SAG“ gegründet. Entstanden ist diese zum einem durch den Zusammenschluss verschiedener AGs und der Fortführung der Schulfächer Hauswirtschaft und Werken. Die Idee zur Gründung einer Schülerfirma entstand aus der Intention, den Berufspraxisschülern ein Lernangebot zur Vorbereitung auf die Zeit nach dem Schulbesuch anzubieten.

Unsere Schülerfirma ist keine reale Firma, orientiert sich jedoch an der Arbeitsweise richtiger Unternehmen, d. h. wir machen Werbung, beschaffen Aufträge, führen sie durch, und rechnen sie ab. Zudem verfügt die Schülerfirma über ein, an der Realität orientiertes Personalmanagement. Die Schülerfirma wird als Schulprojekt geführt und genießt den rechtlich geschützten Raum der Schule. Es besteht ein Kooperationsvertrag mit der Schulleitung. Darin ist geregelt, dass das langfristig angelegte Projekt „Schülerfirma“ als Schulveranstaltung anerkannt wird und breite Unterstützung findet. Es ist festgelegt, welche Räumlichkeiten und Sachmittel die Schule der Schülerfirma unterstützend zur Verfügung stellt und wie die Schülerfirma als Schulprojekt steuerrechtlich und versicherungstechnisch abgesichert ist.

 

Der Weg des Einstellungsverfahrens der MitarbeiterInnen unserer Schülerfirma aus unseren Berufspraxisstufen wiederholt sich zu Beginn jeden Schuljahres:

  • Die Bewerber durchlaufen in Gruppen alle Arbeitsbereiche, informieren sich über die Anforderungen und über die Bedingungen des Arbeitsprozesses. Mitarbeiter, die schon in der Abteilung tätig sind, informieren die Bewerber, erläutern die Aufgaben und Anforderungen,
  • Die Bewerber wählen eine Abteilung aus unter den Kriterien, „was macht mir besonderen Spaß, was kann ich gut und wo möchte ich noch dazu lernen?“ z.B. sollten unsere Verwaltungsmitarbeiter gute Fähigkeiten bei den Kulturtechniken besitzen bzw. Entwicklungspotential vorweisen,
  • Die Bewerber schreiben eine Bewerbung entweder im Unterricht mit Unterstützung der Lehrkräfte oder zu Hause mit den Eltern,
  • Die Bewerber führen Bewerbungsgespräche in den Abteilungen. Die Betreuungslehrer erläutern spezifische Inhalte, erklären die Anforderungen und Abläufe der einzelnen Arbeitsbereiche
  • Arbeitsverträge werden mit den Betreuungslehrern der Abteilungen besprochen und unterschrieben. Sie beinhalten persönliche Daten und Arbeitsregeln (z.B. Pünktlichkeit, Ordnung. Verlässlichkeit usw.)
  • Anschließend wird die Arbeit aufgenommen.

 

Da unsere MitarbeiterInnen in der Regel eine lange Einarbeitungszeit benötigen, findet nicht grundsätzlich eine jährliche Rotation  in den Abteilungen statt. Vielmehr liegt unser Schwerpunkt auf der langfristigen Umsetzung der erworbenen Kompetenzen im Arbeitsprozess. Nur in besonderen Fällen kann nach Absprache innerhalb der Arbeitsbereiche gewechselt werden.

 

Beschreibung der Schülerfirma:

In diesem Schuljahr arbeiten in unserer Schülerfirma 59 MitarbeiterInnen und 13 BetreuungslehrerInnen.

Jeden Freitag von 8.45 Uhr – 12.15 Uhr arbeiten die MitarbeiterInnen in folgenden Abteilungen:

Um den Arbeitstag von dem sonstigen Schultag abzuheben sind die Klassenverbände aufgelöst und die Pausen unabhängig von der Schulhofpause.

 

 Arbeitsbereich Backen:

Herstellung von Kuchen und Backwaren aller Art (außer Sahnetorten).

Dazu gehören folgende Kompetenzen:

  • Kognitiv : Rezepte lesen und folgerichtig nacharbeiten, Abmessen von Backzutaten, Arbeitshandlungen planen und folgerichtig nachvollziehen, Einkauf planen, Vorratshaltung
  • Praktisch:  Rühren auch mit den Rührgeräten oder Küchenmaschinen, Pinseln, Spülen, Arbeitsplatz einrichten und aufräumen, Reinigungsarbeiten
  • Sozial: Arbeiten im Team, Einteilung der Arbeitsgruppen, Absprachen der einzelnen Handlungen und gegenseitige Hilfestellung im Bedarfsfall.

 

Zu Beginn jedes Schuljahres führen wir mit den neuen MitarbeiterInnen einen Besuch im städtischen Gesundheitsamt und nehmen an der „Belehrung“ nach § 43 Abs. 1 Nr. 1 Infektionsschutzgesetz (IfSG) teil. Die Teilnehmer erhalten eine Bescheinigung, die sie für die Arbeit in der Schülerfirma aber auch bei Praktika in Großküchen oder hauswirtschaftlichen Betrieben brauchen. MitarbeiterInnen erhalten danach jährlich die Auffrischung der Belehrung in der Schule von befähigten BetreuungslehrerInnen. Die MitarbeiterInnen tragen  eine spezielle  Arbeitskleidung.

Der Hygienestandard der Schulküchen wird durch die tägliche professionelle Reinigung zusätzlich gewährleistet.

 

 

Arbeitsbereich Wäsche- und Raumservice

Zum Wäscheservice gehören folgende Kompetenzen:

 

  • Aufträge schreiben (Deklarieren der Wäschestücke, Errechnen des Gesamtpreises anhand

des Einzelpreises)

  • Wäsche nach angegebener Temperaturstärke sortieren
  • Aufstellen der Bügelbretter
  • Befüllen der Bügeleisen bzw. der Bügelmaschine mit Wasser
  • Befeuchten der Wäschestücke ggf. Wenden der Wäschestücke auf die linke Seite
  • Anschließen der Geräte an das Stromnetz
  • Bügeln
  • Falten der gebügelten Wäschestücke und Legen in die Wäschekörbe
  • Austeilen der Wäsche an den Auftraggeber

 

Zum Raumservice gehören folgende Kompetenzen

 

  • Einsammeln der schmutzigen Wäsche (Trockentücher, Handtücher, Spül- und Putzlappen ) in den einzelnen Klassen
  • Anzahl der einzelnen Wäschestücke je Klasse  in einer Liste notieren
  • Wäsche waschen
  • Anhand der Liste saubere Wäschestücke zusammenstellen
  • Wäschestücke in den einzelnen Klassen verteilen
  • Aufräumen des Lehrerzimmers
  • Altpapier entsorgen
  • Müll entsorgen
  • Staub saugen
  • Oberflächen der Schränke und Tische abwischen

 

Arbeitsbereich Büro- und Verwaltung:

Dazu gehören folgende Kompetenzen:

Kognitiv: Lesen der Auftragsscheine der anderen Arbeitsbereiche, Schreiben der Rechnungen und der Firmenpost, Eintragen der Geldeinnahmen und –ausgaben in das Kassenbuch, Führen der Mitarbeiterakten, Schreiben der Werbeprospekte, Abrechnen des Geschäftsjahres

 

Technisch: Bedienen des Computers, Bedienen des Taschenrechners, Bedienen des Kopierers, Lesen und Überblicken von Tabellen im Kassenbuch und in der Anwesenheitsliste, Bedienen des Aktenvernichters

 

Sozial: Arbeiten im Team, Absprachen der einzelnen Aufgaben, Hilfestellungen bei Schwierigkeiten, Kontakt zwischen den einzelnen Arbeitsbereichen

 

Arbeitsbereich Fahrradwerkstatt

Dazu gehören folgende Kompetenzen:

  • einfaches und intensives Reinigen von Fahrrädern (incl. Kettenreinigung)
  • Überprüfen der Bremsen, Reparieren und Einstellen der Bremsen
  • Überprüfen und Einstellen von Schaltungen (Naben- und Kettenschaltung)
  • Ausbau der Laufräder 
  • Mäntel und Schläuche abziehen und ggf. flicken oder erneuern
  • Schaltungen und Lager wieder gangbar machen
  • Sättel einstellen bzw. austauschen
  • Beleuchtung reparieren

 

Bei größeren Reparaturen (Tretlager auswechseln, Speichen und Schaltungen erneuern, usw.)

findet eine intensive Zusammenarbeit mit einer benachbarten Fahrradfachwerkstatt (Radsport Kraus) statt.

 

 

Arbeitsbereich  Service und Reparatur:

Der Arbeitsbereich Service und Reparatur übernimmt vorwiegend schulinterne Reparatur- und Auftragsarbeiten. Neben der Instandsetzung defekter Schranktüren und Regalbretter, bauen wir einfache Regalkonstruktionen, Garderobenleisten oder mit Kork belegte Pinnwände in allen Größen. Im vergangenen Schuljahr wurden die Fachräume unserer Schule mit neuen Türschildern versehen, auf denen neben der Raumbezeichnung und der Nummer, auch die entsprechenden Gebärden abgebildet sind.

Ebenso versuchen wir, auch eigene Produkte zu entwickeln. Eine Weihnachtskrippe mit stilisierten Figuren und Stall aus geöltem Massivholz wurde inzwischen schon mehrfach in Auftrag gegeben. Ein weiterer großer Bereich ist die Aufarbeitung verwitterter Gartenmöbel. Diese werden geschmirgelt und anschließend je nach Kundenwunsch geölt oder lasiert.

Die Arbeiten in dieser Abteilung ähneln natürlich sehr, den immer wiederkehrenden Tätigkeiten im wöchentlichen Werkunterricht. Durch das Wissen, dass diese Auftragsarbeiten aber überwiegend für Andere durchgeführt werden und die Firma dafür auch bezahlt wird, entwickeln die Schülerinnen und Schüler einen Anspruch, die Arbeiten so gut wie möglich auszuführen.

Der Umgang mit unterschiedlichen Werkzeugen und Materialien fördert die Schülerinnen und Schüler in ihren handwerklichen und motorischen Fähigkeiten. Ebenso werden sie durch die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe und in ihren sozialen Kompetenzen gestärkt.

 

Kompetenzen:

praktisch z.B.:

- Materialien und Werkzeuge wahrnehmen und erkunden

- Handgeschicklichkeit entwickeln; handwerklich-motorische Fertigkeiten erlernen und einüben

- ausmessen über Schablone und Messwerkzeug

- durchführen verschiedener Oberflächenbehandlungen (z.B. schleifen, lasieren oder ölen)

 

sozial

- Absprachen treffen; Einsetzen unterschiedlicher Fähigkeiten bei unterschiedlichen Projekten bzw. Projektstadien

- Angemessene Hilfe erbitten und gewährleisten

- Warten können: auf ein Werkzeug, auf Hilfe

 

kognitiv:

- Werkzeug kennen und funktionsgerecht verwenden

  Planung von Vorhaben: 

- Einschätzen eigener Fähigkeiten

- Reihenfolge der Arbeitsschritte

- Materialbeschaffung / Auswahl der Werkzeuge

- dass eigene Tun in einem zunehmend größeren Zusammenhang sehen

 

Arbeitsbereich Garten

Die Abteilung Garten ist im Schuljahr 2010/2011 neu hinzugekommen und befindet sich somit noch in der Orientierungs- und Entwicklungsphase. Das Arbeitsfeld ist der Schulgarten in einer öffentlichen Kleingartenanlage. Die geplanten Inhalte und Aufgaben beinhalten alle anfallenden gärtnerischen Arbeiten vom regelmäßigem Unkraut zupfen bis hin zur jahreszeitlichen Bepflanzung, Gestaltung und Herstellung von kleinen Produkten (z. B. binden von Herbststräußen u. Adventskränze, herstellen von Marmeladen, Kompott oder Futterglocken). Anregungen für die eigene Freizeitgestaltung zu empfangen, gehören ebenso zum Inhalt.

Dazu gehören folgende Anforderungen:

 

Die Natur bietet uns Menschen keine bis wenig Reizüberflutung. Dadurch haben gerade motorisch unruhige Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit, zur Ruhe und zum Handeln zu finden.

 

Dazu gehören folgende Kompetenzen:

- Motorik: In der Gartenfirma haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre Feinmotorik an Gartengeräten und der allgemeinen Arbeit im Garten zu üben und zu festigen.

Da der Garten ein Bereich ist der den Schülerinnen und Schülern weitgehend fremd ist, zeigt sich hierbei noch mal deutlich ob eine Fähigkeit der Übertragung von vorhandenen motorischen Fähigkeiten bei den Schülerinnen und Schülern stattfinden kann.

 

- Sozial: Die Schülerinnen und Schüler haben alle ihre individuelle Persönlichkeit die jeder einzelne unterschiedlich auslebt. Man kann jedoch beobachten, dass viele Schülerinnen und Schüler oft die eigene Persönlichkeit stark im Vordergrund sehen. Die Gartengestaltung und die Gartenernte ist weitgehend davon abhängig, wie die Schülerinnen und Schüler als Gruppe miteinander kooperieren, sich gegenseitig helfen, Regeln beachten und Verantwortung für sich und andere übernehmen. Eine gute Teamarbeit führt zu einem tollen Garten. Ebenso ist es uns wichtig den Schülerinnen und Schülern den Garten als eine Möglichkeit der Freizeitgestaltung vorzustellen.

 

- Kognitiv:

  • Planung und Einkauf von jahreszeitlichen Sämereien
  • Entwicklung von Eigeninitiative (Ideen entwickeln)
  • Arbeitsgeräte kennen und sachgerecht benutzen
  • Arbeitstechniken kennen und anwenden
  • kennen lernen und Verarbeitung von Nutzpflanzen

 

- Gartenspezifisch Handwerklich:

  • Jahreszeitliche Pflegearbeiten wie schneiden, harken, pflanzen, säubern,  fegen, jäten, lockern, graben und ernten.
  • Nutzpflanzen selbst anbauen und verwerten
  • Beete herrichten, säen, pflanzen, pikieren, angießen

 

In jeder Abteilung bilden zwei MitarbeiterInnen die SprecherInnen, die sich wiederum im Vorstand mit den anderen Abteilungen zusammentreffen. Betreut wird der Vorstand von zwei BetreuungslehrerInnen.

Der Vorstand arbeitet aktiv an der Planung und Durchführung des jährlichen Betriebsausfluges mit. Ferner erstellen die Vorstandsmitglieder eine Auswertung des Geschäftsjahresberichtes und erarbeiten Verbesserungen

 

Projekte der Schülerfirma: Sozialkompetenztraining

Das erste Sozialkompetenztraining wurde 2008 von den Falken Bielefeld an unserer Schule durchgeführt. Gefördert wurde dieses Training von der Initiative „Zukunft fördern“ Modul 4. (siehe unten). An jeweils einem Schultag nahm eine Schülergruppe, deren Mitglieder auch in der Schülerfirma arbeiten (klassenübergreifend), an diesem Training teil. Wesentliche Ziele dieses Trainings waren die Steigerung des Selbstwertgefühls und der sozialen Interaktion. Da es sich bei der Schülergruppe in erster Linie um Berufspraxisstufenschüler und -schülerinnen handelte, hielten wir die Durchführung eines Sozialkompetenztrainings im Hinblick auf den Wechsel von Schule in den Beruf zu diesem Zeitpunkt für besonders sinnvoll und wichtig.

Beruhend auf einem verhaltenstheoretischen Konzept haben die SchülerInnen in diesem Training gelernt, ihre Einstellungen, Sichtweisen, Gefühle und interaktiven Verhaltensmuster wahrzunehmen und ihre sozialen Kompetenzen zu stärken. Viele Übungen wurden sehr anschaulich und spielerisch durchgeführt und den Fähigkeiten der SchülerInnen entsprechend reflektiert und aufgearbeitet. Das Sozialkompetenztraining wurde von zwei TrainerInnen durchgeführt.

Zu Beginn des Trainings erarbeiteten die SchülerInnen ein Soziogramm, wobei sich die Trainer schnell auf die Möglichkeiten der Umsetzung der einzelnen SchülerInnen einstellen und entsprechende Hilfestellung und Unterstützung geben konnten. Es galt zunächst, Unterschiede, Gemeinsamkeiten und persönliche Verbindungen sichtbar zu machen und Stärken und Schwächen gemeinsam weitgehend spielerisch zu erörtern und zu reflektieren. Im zweiten Teil des Trainings standen die Wahrnehmung und Differenzierung von Gefühlen bei sich selbst und bei anderen im Vordergrund. Dies wurde sowohl in Gruppen– als auch in Partnerarbeit erarbeitet und vorgestellt.

Anschließend wurden im Rollenspiel, das mit der Videokamera aufgezeichnet wurde, sozial kompetente Verhaltensweisen in Konfliktsituationen erarbeitet und anschließend reflektiert. Des Weiteren wurden Hilfsmittel/Strategien für Konfliktsituationen vorgestellt, die die SchülerInnen ebenfalls im Rollenspiel erproben konnten. Nach anfänglicher Zurückhaltung zeigten sich die SchülerInnen vor allem in dieser Sequenz des Trainings sehr motiviert und zunehmend selbstsicherer. Durch verschiedene Übungen wurde hier der Vertrauensaufbau innerhalb der Gruppe deutlich gefördert. Auch in den Phasen der Reflexion zeigten sich die SchülerInnen nach und nach offener und selbstbewusster. Insgesamt war es für alle TeilnehmerInnen des Sozialkompetenztrainings eine erfolgreiche Veranstaltung, so dass sie sicherlich einiges an ihrem künftigen Arbeitsplatz umsetzen können.

 

Ein weiteres Sozialkompetenztraining fand 2009 mit einer kleineren Schülergruppe in Zusammenarbeit mit dem IFD (Integrationsfachdienst) außerhalb der Schule statt. Der Aufbau des Seminars war dort ähnlich, wobei bei dieser Gruppe bewusst keine LehrerInnen als Bezugspersonen teilnahmen.

 

Ziele des Trainings:

- Stärkung der Persönlichkeit/des Selbstbewusstseins

  Verbesserung sozialer Interaktionsfähigkeit

- Förderung der Kommunikation

- Entwicklung von Konfliktlösungsstrategien/ eines konstruktiven Umgangs mit

  Konflikten

- Schulung der sozialen Fähigkeiten im Umgang mit späteren Kollegen und

  Vorgesetzten

-Aufbau einer positiven Gruppendynamik/Teambildung und Kooperationsbereitschaft

 

Aufgrund der positiven Resonanz fand im September und Oktober 2010 erneut ein umfangreiches Sozialkompetenztraining für alle neuen MitarbeiterInnen der Schülerfirma statt.

 

Zwei Dozentinnen von „Impulsa“ waren in der Schule. Sie führten insgesamt 4 ganztägige Fortbildungsveranstaltungen durch und boten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Schülerfirma ein Sozialkompetenztraining an. Ein Termin war dabei für die Schülerinnen und Schüler mit einem erhöhten Betreuungsaufwand vorgesehen.

 

Projekte der Schülerfirma: Expertentag

Zeitgleich luden wir an diesem Tag für jeden einzelnen Arbeitsbereich der Schülerfirma einen externen Experten ein, der entsprechend der Anforderungen der Arbeitsbereiche, eine individuelle Fortbildung durchführte.

 

Backen: Fortbildung durch eine Ökotrophologin- „Verzierung von Kuchen“

 

Service und Reparatur: Fortbildung durch einen Schreinermeister-„Eckverbindungen von Holzteilen“

 

Büro und Verwaltung: Fortbildung durch einen Computerfachmann- „Umgang mit Word“

 

Fahrradreparatur: Fortbildung durch einen Zweirad-Mechaniker (Fahrrad „Krause“)

 

Wäsche-und Raumservice: Fortbildung in der Wäscherei des Diakonischen Werkes, Hagen Eckesey

 

Garten: Fortbildung durch eine Gärtnermeisterin – Kranzbindungen

 

Finanziert werden diese Veranstaltungen durch das Programm „Zukunft fördern“ Modul 6. "Zukunft fördern, Vertiefte Berufsorientierung gestalten" ist eine Initiative zur Unterstützung der Berufsorientierung an den Schulen in Nordrhein-Westfalen, gemeinsam getragen von der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit und des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Schule und Weiterbildung. Mit der Umsetzung des Projektes ist die Stiftung Partner für Schule NRW betraut. In diesem Jahr hat uns die Initiative mit einem Betrag von 7500 € unterstützt im Modul 6 Schülerfirmen, nachdem sie im Jahre 2008 mit dem Modul 4 bereits 2500 € bereit gestellt hat.

Das Modul 4 „Vertiefte Berufsorientierung an Förderschulen – Mit Handicaps einen Weg in den Beruf finden“ verbessert die individuellen Voraussetzungen zur Berufswahlreife von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen und Behinderungen. Sie erhalten frühzeitig erste Einblicke in die Berufsorientierung. Durch die gezielte Förderung, die das Modul vorsieht, erhalten sie eine Einschätzung ihrer individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Ziel ist, dass sie dadurch eine realistische Vorstellung für ihren weiteren beruflichen Weg entwickeln.

Kompetenzentwicklung der Lehrkräfte innerhalb der Schülerfirma

Die SchülerInnen- und LehrerInnenrolle innerhalb des Projektes „Schülerfirma“ ist eine grundsätzlich andere als im herkömmlichen Unterricht. LehrerInnen bahnen je nach Bedarf und Leistungsstand der SchülerInnen Prozesse an, ziehen sich im Laufe der Zeit weit möglichst zurück und nehmen eine Beraterrolle ein. SchülerInnen übernehmen je nach ihren Möglichkeiten eigenverantwortlich die Aktivitäten von den notwendigen Vorüberlegungen, Materialbeschaffung bis hin zur Herstellung und Bewertung der geleisteten Arbeit. Bei den SchülerInnen der Gustav-Heinemann- Schule stellt ein differenziertes Angebotsfeld für die Aktivitäten innerhalb der Firma sowie dem Leistungsstand entsprechenden Arbeitsaufgaben eine besondere Herausforderung dar. Betreuungslehrer müssen die Anforderungen der Aufträge für die MitarbeiterInnen zugänglich machen. Zu Beginn der Tätigkeit jedes Betreungslehrers oder jeder Betreuungslehrerin, erhalten diese Ausführungen zur Konzeption der Schülerfirma und der Praktika sowie die Unterstützung anderer langjähriger BetreuungslehrerInnen.  In vier-bis sechswöchigem Abstand oder wenn es bevorstehende Ereignisse erfordern,  finden Besprechungen der BetreungslehrerInnen statt. Inhalte sind z.B. die Auftragslage, Schwierigkeiten innerhalb der einzelnen Abteilungen oder Planungen größerer Veranstaltungen. Diese werden in Protokollen dokumentiert.  Auch bietet die Frühstückspause der MitarbeiterInnen jeden Freitag den Betreuungslehrern immer die Möglichkeit des Austausches.

Ebenso wurden bereits Fortbildungsangebote zum Bereich Schülerfirma wahrgenommen.

 

Welche Rolle übernehmen die Eltern? Wie versuchen Sie die Eltern zur Mitarbeit zu motivieren?

 

Die Eltern erhalten an Elternabenden, besonders zu Beginn der Berufspraxisstufenzeit ihres Kindes ausführliche Informationen zu der Schülerfirma. Ferner erhalten sie Flyer der Schülerfirma sowie Informationen von  den Partnern IFD und PRO I. Viele Eltern sind Aktionäre an unserer Aktiengesellschaft und werden einmal jährlich zu unserer Aktionärsversammlung eingeladen.

Einmal jährlich findet eine Informationsveranstaltung zum Thema „Wohnen-Leben-Arbeiten“ statt. Auch hier stellen sich unterschiedliche Einrichtungen vor. Die Eltern haben die Möglichkeit sich einen umfassenden Einblick über unterschiedliche Arbeits- und Wohnformen zu verschaffen und rechtliche Fragen zu klären.

 

Dokumentation & Evaluation

Evaluation der Arbeit innerhalb der Schülerfirma gibt es in unterschiedlichen Bereichen:

  • Die einzelnen Abteilungen werten am Ende des Geschäftsjahres im Geschäftsjahresbericht ihre Arbeit aus unter den für unsere MitarbeiterInnen angepassten Kriterien: “Was ist gut und nicht gelaufen, was können wir verbessern“. Im Vorstand werden diese Kriterien besprochen und Verbesserungen gesucht
  • Evaluiert wird innerhalb der Besprechung der BetreuungslehrerInnen

 

 

4. Übergang Schule Beruf

Berufsorientierung hat in der Berufspraxisstufe einen festen Platz. Ziel ist die Vorbereitung der Schüler auf eine spätere Arbeitstätigkeit.

 

Die pädagogische Zielsetzung für die Berufsorientierung an der GHS liegt vor allem in der Erlangung folgender Schlüsselqualifikationen.

 

Dazu gehören

  • persönlichen Fähigkeiten: Erkennen von eigenen Neigungen und Fähigkeiten, Kommunikation, Motivation, Initiative, Lernbereitschaft, Ausdauer, Durchhaltevermögen, Aktivität, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Verantwortungsgefühl, Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit
  •  aufgabengerichteten, kognitiven Fähigkeiten: Problemlösungen, Entscheidungen treffen, Handlungen planen und durchführen, Aufgaben verstehen und umsetzen,  Ordnung am Arbeitsplatz
  •  motorischen und praktischen Fähigkeiten im technischen, handwerklichen, hauswirtschaftlichen und kaufmännischen Bereich, z.B. Motorik, Umgang mit Material und Werkzeug
  • die Förderung und Festigung der sozialen Fähigkeiten: Kooperation, Konfliktbewältigung, Verhandeln, einander Helfen usw. Probleme gemeinsam angehen

 

 

Durch diese unterschiedlichen Qualifikationen erhalten die Schülerinnen und Schüler der GHS die Möglichkeit, mehr Selbständigkeit im Arbeitsleben zu erlangen und  darüber hinaus,  ein höheres Maß an einem selbstbestimmten Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen.

 

Diese Schlüsselqualifikationen werden in drei Berufsbildungsbereichen vermittelt:

 

 

      durch die Fächer: Werken und Hauswirtschaft

      durch die verschiedenen Fördermöglichkeiten der Schülerfirma und

      durch die Erfahrungsmöglichkeiten in den Praktika

 

 

Um einen guten Übergang von der Schule zum Berufsleben zu erreichen arbeitet die GHS mit unterschiedlichen Einrichtungen zusammen. Die uns während der Schulzeit Möglichkeiten zu Praktika zu geben. Dadurch können unsere Schüler je nach unterschiedlicher Leistungsfähigkeit angemessene Einblicke in die Vielfältigkeit der Arbeitswelt bekommen.

 

 

Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen und Lebenssituationen der SchülerInnen im Übergang von der Schule in den Beruf

Die Schüler der Gustav-Heinemann-Schule haben durch ihren sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich der geistigen Entwicklung Einschränkungen im intellektuellen und persönlichen Bereich und dadurch keine Möglichkeiten einen Schulabschluss zu erreichen und auch keine Perspektiven, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Ausbildung durchzuführen. Deshalb ist der Weg in die „Werkstatt für Menschen mit Behinderung“ meist vorbestimmt und adäquat. Einige wenige SchülerInnen, die im Grenzbereich zu einer geistigen Behinderung liegen können jedoch, wenn bestimmte Bedingungen gegeben und der Arbeitsplatz auf ihre Bedürfnisse und ihre Möglichkeiten abgestimmt ist, eine unterstützte Beschäftigung aufnehmen. Die Arbeitsfelder liegen z.B. im hauswirtschaftlich-küchentechnischen -, gewerblich-technischen Bereich oder als Helfertätigkeiten in Industrie– oder Handwerksbetrieben. Ferner gibt es auch in sog. Integrationsfirmen, (Firmen, in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten), Möglichkeiten eines Beschäftigungsverhältnisses. Aber dies gelingt in der Regel nur, wenn der Kostenträger, der für die berufliche Rehabilitation der SchülerInnen zuständig ist, entsprechende Eingliederungszuschüsse bei der Aufnahme einer versicherungspflichtigen Beschäftigung an den Arbeitgeber zahlt. Der Landschaftsverband Westfalen Lippe stellt aus entsprechenden Sonderprogrammen ergänzende Mittel zur Verfügung. Die Abwicklung dieser komplexen Vorgänge regelt  für uns der Integrationsfachdienst des Caritasverbandes Hagen.

 

 

Praktika & Praxiserfahrungen allgemein

Das erste Praktikum wird an unserer Schule in den letzten Jahren der Oberstufe bzw. im ersten Jahr der Berufspraxisstufe absolviert. Pro Schuljahr folgen dann individuell weitere Praktika.

Unabhängig von der Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler findet das erste Praktikum für 2-3 Wochen, in der St.-Laurentiuswerkstatt der Caritas, Walzenstrasse 2, 58093 Hagen statt. Diese Werkstatt bietet unterschiedliche Arbeitsbereiche an. Neben dem großen Bereich Montage und Verpackung gibt es eine Schreinerei, Schlosserei, Gärtnerei, Hauswirtschaft/Küche/Kantine und eine Reinigungsgruppe. Zusätzlich gibt es einen Arbeitsbereich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die aufgrund ihrer Behinderung einen besonders hohen Förderbedarf zeigen.

 

Bei der Durchführung anschließender Praktika gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.

 

  1. Weitere Praktika in der St.-Laurentiuswerkstatt, nach Möglichkeit in unterschiedlichen Arbeitsbereichen.
  2. Praktikum in der Werkstatt, „Bethel vor Ort“ in 58339 Breckerfeld Zurstrasse. Diese Werkstatt hat ähnliche Arbeitsbereiche wie die St.-Laurentiuswerkstatt in Hagen. Im Hinblick auf einen späteren Arbeitsplatz ist sie aber für einige Schülerinnen und Schüler aufgrund der überschaubaren Größe sowie der Erreichbarkeit, eine weitere Alternative.
  3. Praktikum bei „Pro Integration“, Wulfeldstrasse 22, 58119 Hagen-Hohenlimburg. Hier haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, in der Gärtnerei oder Schreinerei, ein vierwöchiges Praktikum unter fachlicher und sozialpädagogischer Betreuung zu absolvieren.
  4. Praktikum auf dem „ersten Arbeitsmarkt“ in Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst (IFD), in unterschiedlichen Betrieben und Einrichtungen. Gärtnereien, Schreinereien, Metallbetriebe, Krankenhaus, Seniorenheim sowie einem Betrieb für Lager- und Letterservice.

 

Das erste Praktikum wird in der Regel im Klassenverband durchgeführt. Bei den nachfolgenden Praktika haben wir die Möglichkeit sehr individuell zu planen. Die Praktika bei Pro Integration und dem Integrationsfachdienst können für einzelne Schülerinnen und Schüler nach Absprache das ganze Schuljahr über durchgeführt werden. Ebenso besteht die Möglichkeit von Tages- oder Langzeitpraktika. 

Neben den oben genannten, außerschulischen Praktika bieten wir einzelnen Schülerinnen und Schülern aus unseren Oberstufenklassen Praktikumsplätze in den unterschiedlichen Arbeitsbereichen unserer Schülerfirma an.

 

 

Einbettung von Praktika und Praxisorientierung

Vor dem ersten Praktikum in der St.-Laurentiuswerkstatt findet eine Betriebsbesichtigung statt, bei der die Schülerinnen und Schüler die unterschiedlichen Arbeitsbereiche und die damit verbundenen Tätigkeiten kennen lernen. Im Anschluss daran bekommen wir von der Werkstatt eine Liste, auf der die einzelnen Arbeitsbereiche aufgeführt sind. Anhand dieser Liste entscheiden sich die Schülerinnen und Schüler, bei Bedarf mit Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer, für einen Bereich. Bei auftretenden Problemen während des Praktikums gibt es auch die Möglichkeit, in einen anderen Arbeitsbereich zu wechseln. Das erste Praktikum bietet für unsere Schülerinnen und Schüler unterschiedliche, neue Erfahrungen. Veränderte Arbeits- und Pausenzeiten gegenüber dem Schulalltag, neuer, unbekannter Personenkreis (Gruppenleiter, Kolleginnen und Kollegen) sowie unterschiedliche Arbeitsanforderungen. Während des Praktikums führen die Schülerinnen und Schüler eine Tagebuchmappe, in der sie ihre Tätigkeiten aufschreiben oder je nach Können durch gemalte Bilder und Aufzeichnungen dokumentieren. Betreut werden sie durch die Gruppenleiter der einzelnen Arbeitsbereiche. Ebenso sind die Lehrerinnen und Lehrer während der gesamten Praktikumszeit als Ansprechpartner vor Ort. Zum Ende des Praktikums bekommen wir von den Gruppenleitern ein mündliches Feedback. In der Schule reflektieren wir das Praktikum in der Gesamtgruppe. Jede Schülerin und jeder Schüler hat die Möglichkeit, von seiner Arbeit zu erzählen. Hierbei dient die Tagebuchmappe sowie Fotos der unterschiedlichen Tätigkeiten als Erinnerungshilfe. Einzelne Klassen gestalten nach ihrem Praktikum auch eine Ausstellung, zu der alle Mittel- und Oberstufenklassen der Gustav-Heinemann-Schule eingeladen werden. Mit gestalteten Plakaten und Fotowänden sowie teilweise Originalteilen und Arbeitsmaterialien aus der Werkstatt, präsentieren sie ihr Praktikum. Durch diese Auseinandersetzung mit ihrem Praktikum, vertiefen die Schülerinnen und Schüler ihre Eindrücke und Erfahrungen.

Weitere Praktika in der St.-Laurentiuswerkstatt und der Werkstatt „Bethel vor Ort“ ähneln diesem ersten Praktikum.

 

Praktikum bei Pro Integration (Auszüge aus der Konzeption)

Seit über 20 Jahren ist Pro Integration im Bereich der Berufsvorbereitung für behinderte junge Menschen erfolgreich tätig.

Vor dem Hintergrund wachsender Anforderungen, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gestellt werden und die eine verstärkte realitätsnahe berufliche Förderung verlangen, bietet Pro Integration, Ausbildungsstätten GmbH, in den Arbeitsbereichen Gärtnerei und Schreinerei Praktika für noch nicht entlassene Schüler der Förderschulen an.

Die Praktikanten können unter realistischen Arbeitsbedingungen Erfahrungen in der Arbeitswelt bezüglich ihrer Lern- und Leistungsfähigkeit machen.

Für den Geltungsbereich Betreuung, Anleitung, Ausbildung wurde Pro Integration im Jahre 2003 gemäß DIN EN ISO 9001 zertifiziert.

Eine qualifizierte Begleitung in fachlichem, sozialpädagogischem, ergotherapeutischem Bereich wird angeboten.

 

Ziele und Inhalte des Praktikums bei Pro Integration

Durch das Praktikum soll der behinderte Jugendliche so gefördert und unterstützt werden, dass er die Anforderungen einer Berufsvorbereitungsmaßnahme dieser Zielgruppe erfüllen kann und somit auf eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereitet wird.

Das Praktikum bietet jedem Schüler ein überschaubares soziales Umfeld, so dass Orientierung und Sicherheit, Kontinuität der personalen Bezüge und Wertmaßstäbe unter konstanten Rahmenbedingungen ermöglicht werden.

Fachanleiter, Ergotherapeuten, Sozialpädagogische Betreuung arbeiten kooperativ am gemeinsamen Ziel der Praktikantenförderung.

Zielgruppenangepasst werden im Praktikum den Schülerinnen und Schülern erste Fähigkeiten und handwerkliche Fertigkeiten handlungsorientiert vermittelt und erprobt. Die Vermittlung notwendiger theoretischer Kenntnisse wird in die Praxis integriert.

Ein inhaltlicher Schwerpunkt des Praktikums sind, neben dem Erwerb von handwerklichen Fertigkeiten, die persönlichkeitsstärkenden Maßnahmen in berufsrelevanten Bereichen der sozialen Kompetenz und des sozialen Umfeldes.

Regelmäßige Reflexion des Verlaufs mit dem Praktikanten tragen zur realistischen Selbsteinschätzung bei. (Selbst- und Fremdeinschätzung)

Ein Fähigkeitsprofil des Praktikanten wird erstellt und periodisch in einer beruflichen Beurteilungsskala dokumentiert (Melba)

Zum Ende des Praktikums erfolgt eine Auswertung mit allen Beteiligten und der Praktikant erhält eine Bescheinigung, in der seine erworbenen Kompetenzen erfasst sind.

(„Das-Kann-Ich-Pass“)

 

Rahmenbedingungen und Kooperation bei Pro Integration

Die Praktikumsdauer wird individuell mit der Schule abgesprochen und liegt zwischen 4 Wochen und 4 Monaten. Eine Zusammenarbeit während der gesamten Praktikumszeit  mit den zuständigen Lehrerinnen, Lehrern und Eltern ist für die einzelnen Prozessschritte notwendig.

Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst (IFD) durchgeführt. Ziel dieser Zusammenarbeit ist auch die Gestaltung möglicher Praktikumsübergänge aus den Betriebsstätten bei Pro Integration in einen Betrieb des allgemeinen Arbeitsmarktes.

 

Praktikum in Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst (IFD)

Diese Praktika sind die Weiterführung der oben beschrieben Praktika bei Pro Integration.

Schülerinnen und Schüler, die diese Praktika absolvieren, benötigen folgende Voraussetzungen:

    Anerkannte Schwerbehinderung (Ausweis)

     Gute motorische und kognitive Kompetenzen

    Eigenmotivation

    Mobilität, eigenständige Nutzung des ÖPNV

    Soziale Kompetenzen, insbesondere im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten

    Einhaltung vorgegebener Zeitrahmen/Arbeitszeiten/Pünktlichkeit

    Räumliche Orientierung außerhalb der Schule

 

Die Schülerinnen und Schüler werden während des Praktikums durch Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter des IFD begleitet. Ebenso finden Besuche und Gespräche durch die zuständigen Lehrerinnen und Lehrer statt. 

 

Zusammenfassung

Durch die unterschiedlichen Praktika erweitern die Schülerinnen und Schüler ihre Handlungs-, Material-, Methoden- und Sozialkompetenz. Sie erleben sich als Teil des Arbeitsprozesses und machen unter praxisnahen, betrieblichen Bedingungen wichtige, persönliche Erfahrungen. Dadurch haben sie die Möglichkeit, ihr eigenes Leistungsvermögen, in Bezug auf Belastbarkeit und Ausdauer realistischer einzuschätzen. In diesem Prozess ist uns als Schule der persönliche Austausch mit den Schülerinnen und Schülern, den Eltern, Pro I, dem IFD und der Arbeitsagentur sehr wichtig.

Zu diesem Austausch gehören Informationsabende, bei denen sich die Werkstätten, Pro Integration, der Integrationsfachdienst und die Arbeitsagentur vorstellen. Ebenso gibt es in jedem Schuljahr 3 Elternsprechtage und bei Bedarf, jederzeit Gesprächsmöglichkeit.   

 

Durch die Zusammenarbeit mit den oben genannten unterschiedlichen Institutionen versuchen wir an der GHS eine möglichst umfassende und individuelle Förderung zu gewährleisten, um einen idealen Übergang von der Schule zum Berufsleben zu erreichen. Hierbei geht es uns neben der schulischen Förderung um die Möglichkeit, Erfahrungen im Arbeitsleben zu erlangen und dadurch eine größtmögliche Selbstständigkeit und persönliche Entwicklung zu erhalten.

 

Beteiligung der Eltern

Einmal jährlich findet eine Informationsveranstaltung zum Thema „Wohnen-Leben-Arbeiten“ statt. Auch hier stellen sich unterschiedliche Einrichtungen vor. Die Eltern haben die Möglichkeit sich einen umfassenden Einblick über unterschiedliche Arbeits- und Wohnformen zu verschaffen und rechtliche Fragen zu klären.

 

Dokumentation & Evaluation

Pro Integration erstellt nach jedem Praktikum ein Fähigkeitsprofil nach „Melba“ um Stärken und Schwächen der PraktikantenInnen zu dokumentieren und in einem Abschlussgespräch zu reflektieren.

Um eine ständige und sinnvolle Weiterentwicklung zu gewährleisten, wird in  einem  engen Austausch mit der Schulleitung, den Eltern. den KlassenlehrerInnen und den SchülerInnen evaluiert.

 

 

5. Curriculum Berufspraxisstufe Schülercafé

 

 

Seit November 2010 hat die Gustav-Heinemann-Schule wieder ein Schülercafé, welches von den Schülern der Berufspraxisstufe betrieben wird.

Die zum Betrieb des Schülercafés nötigen Aufgaben wie Einkauf, Zubereitung und Service werden von den Schülern der einzelnen Berufspraxisstufen-Klassen durchgeführt.

Auch befasst sich eine Arbeitsgemeinschaft wöchentlich mit der Gestaltung und Dekoration diese Einrichtung.

 

Das Café befindet sich in den Räumen der unmittelbar angrenzenden Gemeinschafts-Grundschule Franzstraße. Es bietet ca. 20 Besuchern Platz zum Essen und Trinken, Genießen, Auftanken und Unterhalten.

 

Das Schülercafé richtet sein Angebot vorrangig an die Schüler aller Jahrgänge, aber gleichsam auch an deren Eltern und an alle Mitarbeiter, die am Schulleben teilnehmen und dieses mitgestalten. Auch Besucher der angrenzenden Grundschule sind wie alle Gäste herzlich willkommen.

 

Der Cafébetrieb findet an 4 Tagen in der Woche zu regelmäßigen Öffnungszeiten statt. Sonderveranstaltungen wie z.B. ein Elternfrühstück, Besuche von Gästen und Sponsoren oder andere Feierlichkeiten können nach Absprache arrangiert werden.

 

Es werden folgende Dinge angeboten:

 

- verschiedene, auf Wunsch belegte Brötchen

- diverse, wöchentlich wechselnde Snacks

- selbstgebackene Kuchen und Kleingebäck

- verschiedene Getränke

 

Alle Brötchen werden frisch zubereitet und stehen bereits kurze Zeit nach ihrer Bestellung zur Abholung bereit.

Neben den fachlichen Förderzielen aus den Bereichen Hauswirtschaft und Schülerfirma werden im Schülercafé noch zusätzlich weitere Förderziele angestrebt:

 

- angemessene Kommunikation untereinander und mit den Gästen

- Austausch von Erfahrungen und Anregungen

- Entwicklung einer Routine für sich selbst und die Aufgabe

- sich als Teil eines Ganzen zu sehen, d.h. Erfolg aber auch Verantwortung teilen

- Konfliktfähigkeit im Umgang miteinander und mit den Besuchern

- direkter, handelnder Umgang mit Geld

- die Wertschöpfung bezüglich der verwendeten Zutaten in Hinblick auf das fertige

 

 

6. Mobilitätstraining: Selbstständiges Fahren mit dem Linienbus

 

Voraussetzungen:

Verkehrsgerechtes Verhalten

- Optimierung der akustischen und optischen Wahrnehmung (Motorengeräusche, Ampelanlagen) und eigenes Verhalten danach ausrichten

- Nonverbale Kommunikationsmuster (Handzeichen, Blickkontakt) wahrnehmen und eigenes Handeln darauf ausrichten

- Fußgängerampeln bedienen

- Kennen von Verkehrsregeln, -vorschriften

- Besondere Gefahrenstellen (Baustellen auf Gehwegen, Fahrradwege) erkennen

 

 

- Erkennen der Haltestellensymbole

- Erkennen und kognitive Umsetzung von Ziffern oder Fahrzielen, die der Linienkennzeichnung dienen

 

- Sprachliche Kommunikation (sich nach Haltestellen erkundigen)

- Richtige Buslinien kennen

- Fahrziel kennen

- Türöffner bedienen

- Akustisches und optisches Beachten von Durchsagen bzw. Display wahrnehmen (Verspätungen/ Ersatzbusse/ Umsteigen)

- Umgang mit unbekannten Verkehrssituationen (Ausfall von Ampelanlagen, Straßensperrungen, Verlegung von Haltestellen, Ausfall von Bussen bei Schnee, Glatteis)

 

Üben in konkreten Situationen